Phytotherapie- modern und wissenschaftlich
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Pflanzenheilkunde im geschichtlichen Kontext.
Moderne Pflanzenheilkunde
Als Wegbereiter für die moderne Phytotherapie gilt Prof. Dr. med. Rudolf Fritz Weiß. Er setzte sich leidenschaftlich für die wissenschaftliche Pflanzenheilkunde als Teil der Schulmedizin ein und war zutiefst überzeugt von der Heilkraft der Natur.
Er war bereits vor dem 2. Weltkrieg als Dozent für Pflanzenheilkunde tätig, doch entscheidend für sein späteres glühendes Engagement für die Phytotherapie waren seine Erfahrungen während seiner sieben Jahre in russischer Gefangenschaft.
Auch in Russland war er als Arzt in Lazaretten und Lungenkrankenhäusern tätig. Hier fehlte es oft an allem, besonders aber an modernen, synthetischen Medikamenten.
So war Rudolf Fritz Weiß auf Mittel angewiesen, die direkt vor Ort verfügbar waren. Er sammelte Wild- und Heilkräuter und setzte sie als Primärmedizin vorwiegend als Teeaufguss oder Dekokt bei seinen Patienten ein.
Er konnte nun beobachten, wie Heilpflanzen bei halb verhungerten und teilweise schwerkranken Patienten ihre Wirkung entfalteten, wie Patienten genesen konnten und wie die Heilpflanzen in manchen Fällen sogar lebensrettend wirkten. Diese Erfahrungen hatten nichts mit Esoterik oder Ideologie zu tun, sondern beruhten auf realen Beobachtungen und praktischer Medizin.
Laborwerte standen Rudolf Fritz Weiß damals nicht zur Verfügung. Das einzige Instrument zur Diagnostik, zur Beurteilung des Krankheitsverlaufs und zur Bewertung des Therapieerfolgs war die sorgfältige klinische Beobachtung. Diese Erfahrungen schärften den Blick für kleinste Veränderungen im Krankheitsbild und stärkten Rudolf Fritz Weiß Fähigkeit zu einer präzisen medizinischen Beurteilung auch ohne Technik.
Für Rudolf Fritz Weiß war die Pflanzenheilkunde nach all diesen Erfahrungen keine Alternative zur Schulmedizin, sondern er sah sie als einen wesentlicher Bestandteil und ein Fundament der Medizin.
Apropos Wissenschaft:
Zahlreiche Heilpflanzen sind inzwischen pharmakologisch sehr gut untersucht und ihre Wirkung belegt.
Einige dieser Wirkstoffe dienten in der Vergangenheit als Vorbild für synthetisch hergestellte Präparate. Bestandteile aus der Blütenknospe des Mädesüß dienten früher als Ausgangssubstanz für Aspirin, welches mittlerweile aber vollkommen synthetisch hergestellt wird. Aus Pflanzen isolierte Stoffe dienen auch heute noch als Ausgangssubstanz für chemische hergestellte Pharmazeutika. Das Diosgenin aus der Yamswurzel wird beispielsweise für die Produktion von bioidentische Progesteronpräparaten genutzt. Bestandteile der Sojabohne werden für die Herstellung von Östrogenpräparaten verwendet.
Im Gegensatz zu im Labor künstlich hergestellten Arzneien, verfügen Pflanzen in ihrer natürlichen Form über eine Vielzahl von Substanzen. Neben den primären Pflanzenstoffen wie Chlorophyll, Kohlenhydraten oder Ölen enthalten sie zahlreiche (bis zu mehreren hundert) sekundäre Pflanzenstoffe. Dazu zählen beispielsweise Gerbstoffe, Flavonoide, Bitterstoffe oder ätherische Öle.
Manche sekundäre Pflanzenstoffe in unseren Heilpflanzen puffern Nebenwirkungen ab, andere wiederum "boostern" weitere Wirkstoffe, so dass Phytotherapeutika oft besser vertragen werden und in ihrer Wirkung trotzdem sehr effektiv sind.
Diese ganz einzigartigen Kompositionen der Natur mit ihrer Vielfalt an Stoffen, sind mit synthetischen Pharmazeutika nicht vergleichbar und ein Nachbau solcher Vielstoffgemische, wie es Heilpflanzen sind, wäre im Labor unvorstellbar teuer und nur schwer möglich.
Somit stellt die Natur bis heute immer noch einen unschätzbaren und nicht zu ersetzenden Wert für die Behandlung von Krankheiten dar.
Die Dosis macht das Gift:
Auch Heilpflanzen können schädigen. So kommt es in der Pflanzenheilkunde sehr auf Mengen und Darreichungsformen sowie die Dauer und Art der Anwendung an.
Das Verständnis von Wirkmechanismen ist von elementarer Bedeutung. Inhaltsstoffe, Gegenanzeigen, mögliche Nebenwirkungen und Allergien müssen genauestens bekannt sein und in der Therapie berücksichtigt werden.
Sorgsam eingesetzt sind Heilpflanzen sowohl bei akuten als auch chronischen Erkrankungen sehr wertvolle und und kostbare Begleiter. Sie wirken in ihrem ganzen Wesen und mit all ihren Wirkstoffen auf Körper, Geist und Seele... die Apotheke Gottes...