Phytotherapie

Pflanzenheilkunde — Ursprung und was ist Zoopharmakognosie

Phytotherapie- historisch

Ist das Hormon- oder Nervensystem aus der Balance geraten, kann die Natur ein wertvoller Helfer sein. Sowohl bei akuten Beschwerden als auch bei chronischen Erkrankungen können Heilpflanzen ihre wunderbare Kraft entfalten. Gerade wenn man nach einer sanften, nebenwirkungsarmen und natürlichen Methode sucht, ist man mit der Phytotherapie sehr gut beraten.

Phytotherapie oder auch Pflanzenheilkunde genannt, ist wahrscheinlich eine der ältesten Behandlungsmethoden der Menschheit überhaupt.

Funde in steinzeitlichen Grabstätten und Zahnanalysen zeigen, dass Neandertaler bereits vor 50000 Jahren Heilpflanzen kannten, verzehrten und dem Verstorbenen als Grabbeigabe mitgaben. Unklar ist, ob die Pflanzen tatsächlich therapeutisch genutzt wurden oder einfach "nur" ein Teil der Ernährung waren. Da wir diese Pflanzen aber auch heute noch heilkundlich einsetzen, dürfte das ein starkes Indiz dafür sein, dass die Neandertaler ihre Wirkung sehr wohl kannten und sie sowohl zur Prophylaxe als auch zur Medikation einsetzten.

Nun könnte man sich fragen, wie es überhaupt dazu kam, dass Menschen Pflanzen zur Therapie verwendeten?

Hierüber kann man natürlich nur mutmaßen. Wahrscheinlich ist aber, dass ausgeprägte eigene Instinkte sowie das Beobachten von Tieren dem Menschen höchstwahrscheinlich als Orientierung dienten, denn aus heutigen Beobachtungen weiß man, dass viele Säugetiere und auch Vögel Pflanzen zur Selbstmedikation nutzen.

Bären beispielsweise fressen bestimmte Pflanzen, um ihr Verdauungssystem nach dem Winterschlaf wieder in Schwung zu bringen und Weidetiere wie Schafe und Ziegen nutzen Kräuter wie Wermut, Beifuß oder Schafgabe bei Verdauungsbeschwerden oder Parasitenbefall.

In mediterranen Regionen fressen Schafe und Ziegen gern Thymian, Oregano oder Rosmarin, welche u.a. ätherische Öle enthalten und somit antibakteriell, entzündungshemmend und verdauungsfördernd wirken können.

Elefanten, überaus sozial und sehr intelligent, werden immer wieder dabei beobachtet, wie sie die Rinde von Akazien verzehren. Diese enthält neben vielen wertvollen Mineralstoffen auch Gerbstoffe und wirkt zudem antibakteriell und antiparasitär. Die Akazie wird darum auch die "Medizinpflanze" der Elefanten genannt.

In Kenia wurden schwangere Elefantenkühe dabei beobachtet, wie sie lange Wege auf sich nahmen, um die Rinde eines Baumes zu fressen, der offenbar die Wehentätigkeit fördert, denn kurz nach dem Verzehr kamen die Kälber zur Welt.
Aus Rinde und Blättern dieses Baumes stellen auch kenianischen Frauen einen Tee her, der getrunken wird, um die Geburtswehen anzuregen.

Spannend sind auch die Berichte der britischen Verhaltensforscherin und Umweltaktivistin Jane Goodall. Sie konnte beobachten, wie Schimpansen ganze Blätter zusammenrollten und ohne Kauen herunterschluckten.
Später konnte Dr. Michael A. Huffman Verhaltensbiologe und Primatologe zeigen, dass die Schimpansen diese rauen, haarigen Blätter zur mechanischen Reinigung und Ausschwemmung von Darmparasiten nutzten. Er war einer der Pioniere auf dem Gebiet der Zoopharmakognosie, der wissenschaftliche Fachbegriff für Selbstmedikation im Tierreich.

Zusammenfassend kann man wohl davon ausgehen, dass auch der Mensch als Teil der Fauna seit jeher Pflanzen sowohl instinktiv als auch durch die Nachahmung von Tieren zu Heilzwecken genutzt hat und in der Verwendung von Heilpflanzen eine uralte Weisheit liegt